Mittwoch, 9. April 2008
Verlorener Sohn(2008)
Wo es herkommt
und wo es wieder hin zurück muß.
Wie ein Messer in die Scheide,
wie Lippen
nach einem langen Kuss.
Und ich leide...
leide an Überfluss.
Und ich warte...
warte ergeben auf den Schluss.

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Zurück ins Nun(2003)
Was blieb mir von der alten Kraft,
was blieb von dem mir, das mich, leicht geneigt vom Winde,
doch immerhin noch aufrecht hielt?

Was zwischen mir und gestern klafft,
das scheint unüberwindbar, tief, hin zu dem Kinde,
das drüben mit dem Präsens spielt.

Recht unbekümmert, gedankenverloren,
das Jetzt-Sein ist uns angeboren.

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Die Gleichnisse vom Haus(2001)
In der Schwärze der Nacht erscheint ein Haus.
Wir? Noch traumwandelnd. Noch nicht wissend. Nur seiend, verkörpern wir die Mauern des Hauses, weichend an Stellen, die Fenster sind. Und Türen.
Diese Masse trägt ein Dach, welches das Innere schützt und die Mauern überragt. Das Dach ist ein Vater, der seine schützende Hand über seine Kinder hält. Ein Vater, der seine Kinder liebt und wieder geliebt werden will.
Das Haus erscheint, wird Heimstatt des Geistes, wirft Licht und Schatten.



Mir ist kalt. Ich sehne mich nach einer Wärme, die mir unerreichbar erscheint. Und ich bin nicht allein. Was ist das für ein Haus, aus dem Stein für Stein flüchtet, so daß der Wind durch alle Ritzen zieht, mich frösteln läßt und Staub aufwirbelt, der mir die Sicht nimmt?
Was ist das für ein Haus, das jeder mit dreckigen Füßen betritt?
Dieses Haus ist alt und niemand kümmert sich darum.



Manchmal gehe ich raus in den Garten. Die Sonne scheint und ich wärme mich ein wenig auf. Das tut gut, wenn auch nur für kurze Zeit, denn auch mich quält sie, die westliche Faulheit. Ich will mich selbst vergessen. Doch das schaffe ich nicht. Wahrscheinlich mangelt es mir an Demut, und enttäuscht von mir selbst, gehe ich wieder rein. Verdammt, wann räumt hier endlich mal jemand auf!?!



Ich hatte eine Idee, mich gegen die Kälte zu schützen. Ich habe mich sehr dick eingepackt in Tücher und Felle, außerdem baue ich einen Ofen. Die anderen sagen, ich soll vorsichtig sein. Sie haben Angst, das Feuer könnte durch einen Funken überspringen und die Dachbalken entzünden. Wissen Sie denn nicht, daß dieses Haus ein Steindach hat? In all der Zeit war nie ein Mangel an diesem Dach. Es ist massiv und nicht zu zerstören. Und wenn wir auch zusammenbrechen, und die Mauern einstürzen, das Dach wird im Ganzen herunterkommen, und den Geist solang unter sich begraben, bis der Geist es wieder anhebt und halten kann. Dieses Dach ist ewiglich und es wurde schon von vielen Mauern getragen. Also mache ich den Ofen an. Die Leute schreien, aber es wird nichts passieren. Nichts Schlimmes.




Manche sagen, die Kälte macht ihnen nichts aus. Andere setzen sich zu mir an den Ofen. Wieder andere frieren und beklagen sich. Ich lade sie ein, sich aufzuwärmen, aber das ist ihnen dann wieder zu heiß. Manche von diesen erfrieren, andere gehen weg, versuchen neue Häuser zu bauen, die ihnen besser erscheinen.. Doch es gibt kein besseres. Ihre jämmerlichen Reisighütten verweht der Wind und die, die mit Lehm bauen, denen nimmt der Regen irgendwann alles, was sie sich aufgebaut haben. Da habe ich ganz andere Pläne.



Ich kenne Menschen, die sitzen in einer Ecke des Raumes, der vor Dreck nur so starrt, aber ihre Anmut scheint dies alles zu übertünchen. Sie ziehen mich an, wie der Mond das Meer, doch genauso stoßen sie mich wieder ab. Hin und her gerissen werde ich da. Sie würden ihre Umgebung niemals reinigen, weil sie meinen, es wäre nicht nötig. Sie sind nicht besser und nicht schlechter als ich. Ist es nicht ein Mangel, der mich leitet? Ein Mangel, den sie nicht verspüren?



Sicherlich habe ich Freunde. Sie scheinen mich zu kennen, und ich sie. Wir haben die gleichen Interessen? Oder fühlen wir uns seelenverwandt? Oder lieben wir uns? Wenn ein Teil von uns, ein Stein in einer Mauer eines Hauses ist und ein anderer Teil von uns dieses Haus bewohnt, was macht uns da zu Freunden? Ist es die Notwendigkeit, andere Steine um sich zu haben, um eine Mauer zu bilden, und sind es die mir am nahestehendsten, die mir zu Freunden werden? Oder bevorzugen wir denselben Raum, denn dieses Haus hat viele Räume?
Ich hoffe, jenseits der Zeit warten wir schon aufeinander.



Ich mag Kinder. Als Kind sieht man den Dreck noch nicht. Und oft wird man gewärmt, von Eltern, die einen lieben. Kinder leben in einer heimeligen Dunkelheit und sind doch leuchtende Beispiele. Sie verspüren ein unschuldiges Glück, mehrmals am Tag, durch die vielen Dinge, die es neu zu entdecken gilt. Sie trifft keine Schuld und doch sind sie die Erben eines Fluchs. Das tut mir sehr leid. Denn dieser Fluch ereilte auch mich und es ist schmerzhaft. Die Wärme weicht mehr und mehr, schafft Raum für die schneidende Kälte. Das Auge gewöhnt sich langsam an die Lichtverhältnisse, und die voher so magische Umgebung verwandelt sich in einen Alptraum. Ab diesem Augenblick kann man sich entscheiden.




Fast jede Nacht versinke ich in Schlaf. Eine Last wird von mir genommen, die ich manchmal kaum tragen kann. Der Schlaf erlöst mich. Nur selten verfolgen mich Dämonen dorthin, stürzen mich in ein endloses Loch. Mit dem Aufprall auf den härtesten Boden des Universums erwache ich. Manchmal mit einem kurzen Schrei, manchmal schweißgebadet, und ich kann nur noch erahnen, was für einen Kampf ich geliefert habe. Ich habe ein Ziel, aber kenne ich es? Diese Dämonen scheinen mehr zu wissen, als ich.



Ich sprach vom Haus.
Und ich sprach vom Garten.
Es heißt, das Haus versorgt dich mit allem, was du brauchst.
Wenn Du es pflegst.
In seinem Inneren kannst Du Dich geborgen fühlen.
Weshalb gehen dann manche in den Garten?

Nun, um das Haus von außen betrachten zu können.
Im Garten wachsen die Trauben und der Hanf.
Kleine Pilze.
Ein Gartenfest für mich und meine Freunde, die ganze Nacht lang.
Mit Feuer und Gesang.
Mit Feuer und Gesang bewundern wir die Schönheit des Hauses.



Ich sprach vom Haus.
Ich sprach von Steinen.
Und ich sprach vom Ofen.
Von ihm soll die Wärme ausströmen, welche in alle Räume vordringt, und alles und jeden wärmt, und schließlich jeglichem Ding die Kälte nimmt.
Woher kam die Kälte?
Ich sprach von Steinen.
Dieser stetige Durchzug, oh Mann...
Kaum sind die Räume aufgeheizt,
entweicht die Wärme durch die Ritzen in den Wänden.
Das kostet natürlich Unmengen an Energie.
Aber wir kommen fürs Erste ganz gut klar, wenn wir nur ein bißchen zusammenrücken.
Und jeder schmeißt mal Holz rein.



Ich erwachte eines Tages und stellte fest, daß ich die ganze Zeit geschlafen hatte. Das war mir vorher gar nicht aufgefallen...

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